Einstiegsbild Kiefernwald

Bäume und ihre Wurzelsysteme – heute: Tiefwurzler

In unserem letzten Blogbeitrag haben wir die Artikel-Serie „Bäume und ihre Wurzelsysteme“ gestartet und dort die Eigenschaften und planerischen Vor- und Nachteile von Flachwurzlern näher beleuchtet. Heute setzen wir die Serie mit Teil 2 zum Thema der Tiefwurzler fort.

Was sind Wurzeln und welche Aufgaben erfüllen sie?

Jede Pflanze hat sie – die Wurzel. Sie dient nicht nur zur festen Verankerung im Boden, sondern versorgt die Pflanze auch mit wichtigen Nährstoffen und Wasser. Besonders wichtig sind dafür die Feinwurzeln, die durch Staunässe, Überdüngung oder auch mechanische Reize schnell beschädigt werden können.

Was sind Tiefwurzler?

Anders als bei Flachwurzlern bilden Tiefwurzler meist eine dominierende Hauptwurzel aus, die nahezu senkrecht in die Erde reicht. Ihr Wurzelsystem wird von nur wenigen, schwachen Seitenwurzeln geprägt, welche – anders als bei den flach wurzelnden Exemplaren –  keine allzu wichtige Funktion in Bezug auf Standfestigkeit, Nährstoff- und Wasserversorgung einnehmen. Ihre senkrecht verlaufende Hauptwurzel hingegen reicht meist mehrere Meter tief in das Erdreich und bereichert sich an den dort liegenden Wasserquellen. Darum eignen sich Tiefwurzler selbst für kiesige und sehr trockene Böden. Außerdem erzeugt die Hauptwurzel einen sehr sicheren Halt im Boden und macht das Gehölz somit weniger anfällig für starke Winde.

Zu typischen Vertretern der Tiefwurzler gehören zum Beispiel Walnuss, Rosen, Weißdorn, Kiefer, aber auch Stauden wie Eisenhut, Stockrosen, Schleifenblumen oder Herbstanemonen. Es existieren aber auch Mischformen wie man sie bei Walnuss und Esskastanie sehen kann. Diese besitzen neben der starken Hauptwurzel auch einige seitlich wachsende Seitenwurzeln, wie man sie bei Flachwurzeln finden kann. Das Senkerwurzelsystem ist eine weitere Mischform, die zum Beispiel bei Eschen, Robinien und Fichten auftritt. Hier werden waagerecht verlaufende Wurzeln gebildet, die einen weiten Radius erreichen und dann schlagartig in die Tiefe wachsen.

Die teilweise meterlange Hauptwurzel der Tiefwurzler versorgt die Pflanze mit Wasser und Nährstoffen aus sehr tiefen Bodenschichten.

Was muss ich bei der Standortwahl beachten?

Tief wurzelnde Pflanzen benötigen aufgrund des eingeschränkten Wachstums von Seitenwurzeln relativ wenig Platz im Wurzelraum. Darum können die Gehölze relativ nah an Gebäuden, Wegen und Rohrleitungen gesetzt werden, ohne Schäden zu verursachen. Genauso stellen sie in den meisten Fällen keine Konkurrenz zu Nachbarbepflanzungen oder Unterpflanzungen dar. Ihre dominante Hauptwurzel bietet jedoch noch weitere Vorteile:

  • hohe Resistenz gegenüber Trockenheit durch erreichen tiefer gelegener Wasserquellen
  • meist höhere Winterhärte als Flachwurzler da Wurzeln durch Tiefe geschützt
  • hohe Stabilität in allen Böden und damit weniger anfällig für Windwurf
Kiefern als typische Vertreter der Tiefwurzler wachsen nicht nur unterirdisch sehr schmal und tief mit ihren Wurzeln sondern auch überirdisch mit einer sehr hohen Krone.

Jedoch haben Tiefwurzler auch ein paar Nachteile. Zum Einen können sie nur auf tief reichenden Böden gesetzt werden. Damit sind sie nicht für alle Standorte geeignet. Des Weiteren ist das Umsetzen größerer Gehölze nahezu unmöglich. Damit das Anwachsen an einem neuen Standort gewährleistet ist, müsste das gesamte Wurzelwerk ausgehoben werden. Bei einer Reichweite von mehreren Metern in die Tiefe erweist sich das meist als problematisch. Einige Arten würden selbst dann nur mit einer sehr geringen Chance anwachsen. Für Tiefwurzler gilt damit die Faustregel, dass bei Bedarf in den ersten drei Jahren nach dem Einsetzen noch eine Umpflanzung vorgenommen werden kann. Danach stehen die Chancen auf ein erfolgreiches Anwachsen sehr gering. Für die Planung im eigenen Garten sollte zudem berücksichtigt werden, dass viele Tiefwurzler mit der Zeit sehr hoch wachsen können. Somit könnten Probleme wie zu starker Schattenwurf oder Platzmangel im Garten entstehen.

Sollten für dieses Jahr Neupflanzungen in Ihrem Garten geplant sein, wissen Sie nun, was es bezüglich der Tiefwurzler zu beachten gilt. Das Team von Gardomat wünscht Ihnen einen guten Start in die neue Gartensaison!


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